Die PV-Branche in der Schweiz

Marktentwicklung, Wachstum, wichtige Akteure und wie die Energiestrategie 2050 die Solarbranche antreibt.

Die Photovoltaik-Branche in der Schweiz erlebt ein beispielloses Wachstum. Angetrieben durch die Energiestrategie 2050, steigende Strompreise und das wachsende Umweltbewusstsein der Bevölkerung hat sich Solar zur wichtigsten neuen Energiequelle des Landes entwickelt. In diesem umfassenden Überblick beleuchten wir den aktuellen Stand, die wichtigsten Akteure und die Zukunftsaussichten der Schweizer Solarbranche.

5+ GW
installierte Leistung
180'000+
Solaranlagen
9%
Anteil am Strommix
10'000+
Arbeitsplätze

Marktentwicklung und Wachstum

Die Schweizer Solarbranche hat in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Aufschwung erlebt. Nachdem der Zubau jahrelang bei rund 300–400 MW pro Jahr lag, hat er sich ab 2022 auf über 1'000 MW pro Jahr mehr als verdoppelt. Dieser Boom wird durch mehrere Faktoren angetrieben.

Die Strompreiskrise im Winter 2022/23 hat vielen Schweizer Haushalten vor Augen geführt, wie verwundbar sie gegenüber Preisschwankungen auf dem Energiemarkt sind. Die eigene Solaranlage auf dem Dach wurde plötzlich nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich extrem attraktiv. Gleichzeitig sind die Kosten für Solarmodule weiter gesunken, während die Wirkungsgrade gestiegen sind.

Jährlicher Zubau

Der jährliche PV-Zubau in der Schweiz hat sich von rund 300 MW im Jahr 2019 auf über 1'500 MW gesteigert. Dieser enorme Anstieg zeigt, dass die Solarenergie definitiv im Mainstream angekommen ist. Besonders stark wächst das Segment der Einfamilienhäuser und kleineren Mehrfamilienhäuser — dort, wo Familien ihre eigene Energiezukunft in die Hand nehmen.

Preisentwicklung

Die Systempreise für schlüsselfertige Solaranlagen auf Einfamilienhäusern liegen heute bei rund CHF 1'500 bis CHF 2'500 pro kWp — deutlich tiefer als noch vor wenigen Jahren. Gleichzeitig sind die Wirkungsgrade moderner Module auf über 22% gestiegen, was bedeutet, dass weniger Dachfläche für die gleiche Leistung benötigt wird.

Politische Rahmenbedingungen

Energiestrategie 2050

Die Energiestrategie 2050 bildet das politische Rückgrat des Schweizer Solarbooms. Mit dem schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie setzt die Schweiz massiv auf erneuerbare Energien — und Solarenergie spielt dabei die Hauptrolle. Das Ziel: Bis 2050 soll die Schweiz klimaneutral sein und ihren Strombedarf zu einem wesentlichen Teil aus einheimischen erneuerbaren Quellen decken.

Mantelerlass — der Gamechanger

Mit dem Mantelerlass (Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien), der 2024 vom Stimmvolk angenommen wurde, hat die Schweiz ambitionierte Ausbauziele für erneuerbare Energien gesetzlich verankert. Für die Solarenergie bedeutet dies einen massiven Schub bei Förderungen und vereinfachten Bewilligungsverfahren.

Förderprogramme

Die Schweiz fördert Solaranlagen über verschiedene Programme. Die Einmalvergütung (EIV) des Bundes deckt einen Anteil der Investitionskosten — für kleine Anlagen bis 100 kWp über die KLEIV, für grössere Anlagen über die GREIV. Viele Kantone und Gemeinden bieten zusätzliche Förderprogramme an, und die steuerliche Absetzbarkeit der Investition macht Solar zusätzlich attraktiv.

Wichtige Akteure der Branche

Branchenverbände

Swissolar, der Schweizerische Fachverband für Sonnenenergie, ist die zentrale Organisation der Branche. Der Verband vertritt über 1'000 Mitglieder — von Installateuren über Planer bis hin zu Herstellern und Zulieferern. Swissolar engagiert sich für günstige Rahmenbedingungen, Qualitätsstandards und die Ausbildung von Fachkräften.

Pronovo AG verwaltet als akkreditierte Zertifizierungsstelle die Herkunftsnachweise für erneuerbare Energien und wickelt die Einmalvergütung im Auftrag des Bundes ab. EnergieSchweiz, das Programm des Bundesamts für Energie (BFE), unterstützt die Marktentwicklung durch Information, Beratung und Qualitätssicherung.

Installationsbetriebe

Die Schweizer Solarbranche besteht aus einem Mix von grossen nationalen Anbietern und zahlreichen regionalen Fachbetrieben. Zu den grösseren Akteuren gehören Unternehmen wie Helion, Solvatec, BE Netz und Edisun Power. Daneben gibt es Hunderte von regionalen Installateuren, die eine wichtige Rolle bei der Versorgung von Einfamilienhäusern spielen.

Schweizer Hersteller und Innovation

Die Schweiz ist auch Heimat innovativer Solartechnologie-Unternehmen. Meyer Burger, ein Schweizer Traditionsunternehmen, produziert hocheffiziente Solarzellen mit der Heterojunction-Technologie. Das Centre Suisse d'Electronique et de Microtechnique (CSEM) und die EPFL leisten Pionierarbeit in der Forschung und Entwicklung neuer Solartechnologien.

Herausforderungen und Chancen

Fachkräftemangel

Das rasante Wachstum der Branche hat zu einem spürbaren Fachkräftemangel geführt. Es fehlen qualifizierte Solarteure, Elektriker und Planer. Die Branche und die Berufsbildung reagieren mit neuen Ausbildungsgängen und Weiterbildungsangeboten. Der Beruf des Solateurs/der Solateurin EFZ wurde als neuer Lehrberuf eingeführt.

Winterstromlücke

Eine der grössten Herausforderungen ist die sogenannte Winterstromlücke. Im Sommer produziert die Schweiz mehr als genug Solarstrom, doch im Winter — wenn der Bedarf am höchsten ist — fehlt es an Produktion. Alpine Solaranlagen, Speichertechnologien und der Ausbau der Wasserkraft sollen diese Lücke schliessen.

Netzausbau und Integration

Der massive Zubau von dezentralen Solaranlagen stellt die Verteilnetze vor neue Herausforderungen. Intelligente Netze (Smart Grids), bidirektionale Ladestationen für E-Autos und flexible Verbraucher werden immer wichtiger, um die schwankende Solarproduktion zu integrieren. Gleichzeitig bieten sich hier enorme Chancen für Innovation und neue Geschäftsmodelle.

Alpine Solaranlagen

Ein spannendes neues Kapitel der Schweizer Solarbranche sind die alpinen Solaranlagen. In der Höhe scheint die Sonne häufiger und intensiver als im Mittelland — besonders im Winter, wenn der Nebel das Flachland bedeckt. Projekte wie die Anlage an der Muttsee-Staumauer zeigen das enorme Potenzial. Die Branche diskutiert intensiv über den Ausbau solcher Anlagen, wobei der Schutz der Alpenlandschaft sorgfältig abgewogen werden muss.

Zukunftsaussichten

Die Zukunft der Schweizer Solarbranche ist strahlend. Laut Swissolar könnte die Schweiz bis 2050 rund 50 TWh Solarstrom pro Jahr produzieren — genug, um einen Grossteil des Strombedarfs zu decken. Dafür müsste die installierte Leistung auf rund 50 GW verzehnfacht werden. Die technologischen, wirtschaftlichen und politischen Voraussetzungen dafür sind gegeben.

Für Hausbesitzer bedeutet dies: Jetzt ist der ideale Zeitpunkt, um in eine Solaranlage zu investieren. Die Förderungen sind grosszügig, die Technik ausgereift und die Wirtschaftlichkeit überzeugend. Wer heute eine Solaranlage installiert, profitiert über Jahrzehnte von günstigem, sauberem Strom — und leistet einen wichtigen Beitrag zur Energiezukunft der Schweiz.

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